VIII-7 Dr. Friedrich Berenbruch (1897- )

Dr. Friedrich Berenbruch (von VII-4), Augenarzt, geboren am 26. November 1897 in Dessau, ehelichte am 23. Februar 1931 in Kohlischenbroda Dorothea Zinßer, Tochter des August Zinßer und der Margarethe Meusel. Ihre Kinder:
a.) Brigitte Berenbruch, geboren am 3. Mai 1933 in Ebersbach.
b.) Irmela Berenbruch, geboren am 21. Februar 1935 in Ebersbach.
c.) Karl-Friedrich Berenbruch, geboren am 7. Oktober 1938 in Ebersbach.
d.) Hans-Wilhelm Berenbruch, geboren am 6. Mai 1947 in Ebersbach, Schulleiter zu Ebersbach.

In der Familienchronik von 1966 schrieb er über sich selbst:

Es war gut für mich, daß ich „auf eigene Füße“ gestellt wurde. In dem zweiten Jahr, das ich in Obersekunda saß, lernte ich das konzentrierte Arbeiten, das Arbeiten mit Lust und Liebe und wurde darin dankenswerterweise gefördert von Dr. Johannes, der mir Nachhilfeunterricht in Latein gab und Fräulein Rauch, einer älteren Dame, die 6 Jahre in Paris und 6 Jahre in London gelebt hatte, durch Unterricht im Französischen. So wurde der Tiefpunkt überwunden und ich kam gut voran. Bruder Wilhelm baute Ostern 1916 sein Abitur. Ich selber hatte ihn wieder ein, dadurch daß ich angesichts der baldigen Musterung zum Militär Pfingsten mein Notabitur machte und die Gelegenheit wahrnahm, mich noch zum Sommersemester 1916 als Student in Marburg immatrikulieren zu lassen. So waren wir Zwillinge wieder zusammen. Auch Wilhelm hatte dort mit Medizinstudium begonnen. Am 20.08.1916 kam ich als Infanterist zum Militär, nach Ausbildung in der Heimat zum Feldrekrutendepot in Flandern und für kurze Zeit in den Schützengraben bei IRgt. 72. Von dort wurde ich als Stud. med. auf Grund einer Verfügung der Heeresverwaltung als Sanitätssoldat zum Feldlazarett 39 versetzt, wo ich bis zu meiner Erkrankung an Lungenbluten August 1918 verblieb. Im Februar 1918 erfolgte meine Beförderung zum Sanitätsunteroffizier, mit meiner Erkrankung war mein Kriegsdienst im 1. Weltkrieg zu Ende, ich kam in die Heimat und für ein halbes Jahr in die Lungenheilstätte Schielo im Harz.

Ab Sommersemester 1919 studierte ich weiter Medizin, zuerst in Greifswald, wo ich im Wingolf aktiv wurde und ab Sommersemester 1920 in Jena. Hier blieb ich 6 Jahre, erledigte die Examina und erlangte anschließend an das Staatsexamen die Doktorpromotion bei Prof. Brückner. Als frischgebackener Dr. med. tummelte ich mich im Januar 1924 in Dessau für ein halbes Jahr auf dem Eise, stolz und hochbeglückt. Zur Festigung meiner Gesundheit ging ich ab 8.2.1924 für ein halbes Jahr in die Schweiz als Volontärarzt an der kantonalen Lungenheilstätte Barmelweid im Kanton Aargau, Chefarzt Dr. Jost, wozu mir in selbstloser Weise der Wingolfsphilister Dr. med. Bach in Prehen bei Basel verholfen hatte. Wieder zurückgekehrt nach Jena war mir ein Gespräch mit Prof. Kaiser-Petersen, Facharzt für Lungentuberkulose Veranlassung meinen Plan vom praktischen Arzt auf eine ruhigere Facharzttätigkeit umzustellen, wobei ich mich für das Gebiet der Augenheilkunde entschied. Die erforderliche fachärztl. Ausbildung zum Augenarzt erhielt ich vom 15.2.1926 bis zum 3.7.1928 bei Prof. Clausen in Halle und anschließend bis Juli 1930 bei San.Rat Dr. Waldemar Lothar-Meyer an der Augenheilklinik in Dresden-Johannstadt. Im Sommer 1929 fuhr ich einem Wunsch der guten Eltern folgend, mit ihnen zusammen für 3 Wochen in die Schweiz, um ihnen die Schönheiten des Landes zu zeigen. Dabei erzählte ich ihnen von meinem Erlebnis in Dresden, wo ich am 28. Mai des gleichen Jahres bei einer Wingolfveranstaltung in der Picardie unsere liebe Mutti kennen- und lieben gelernt hatte. Am 26. November 1929 verlobten wir uns und am 23. Februar 1931 wurden wir im Lutherhaus der Kirche zu Kohlischenbroda von Bruder Wilhelm in Vertretung des schwerkranken Schwiegervaters Pfr. A. Zinßer getraut. So hatte ich eine liebe gute Frau bekommen und wir begannen unseren Ehestand nach einer Hochzeitsreise nach Wien im März 1931 in Ebersbach in der Königswalderstr. 5. In den vorangegangenen 4 Monaten hatte ich als junger Augenarzt als Untermieter bei San.Rat Dr. Richter in Ebersbach soweit Fuß gefasst, daß ich es wagen konnte, einen Hausstand zu gründen. Die ersten Jahre waren beschwerlich, weil sich gleichzeitig in Neugersdorf eine Augenärztin Dr. Müller, die Schwester von Dr. Sommer in Zittau niedergelassen hatte. Mit ihrem Verzug 1936 nahm die Praxis einen Aufschwung, daß wir uns 1938 einen Wanderer anschaffen konnten. Der Kindersegen blieb nicht aus: Am 3. Mai 1933 wurde Brigitte geboren, am 21. Februar 1935 folgte Irmela, am 7. Oktober 1938 kam Karl-Friedrich zur Welt, während ich zum militärischen Einsatz im Saargebiet weilte.

Den 2. Weltkrieg erlebte ich als Sanitätsoffizier mit, zunächst an einem Armee-Feldlazarett unter Oberstabsarzt Dr. Crodel. Polenfeldzug 1939 und Frankreichfeldzug 1940. Winter 40/41 war ich in Brügge an einem Kriegslazarett abkommandiert. Frühjahr 1941 versetzt zum Armee-Feldlazarett 4/552 (Mot) unter Oberfeldarzt Dr. Menge, Ersatztruppenteil in Ulm, ein schwäbisches Lazarett. 1941-43 Rußland-Feldzug. Beförderung zum Stabsarzt. Frühjahr 1943 vor Charkow an schwerer Rachendiphterie erkrankt, mit allgemein toxischen Erscheinungen im ganzen Körper. Damit war für mich der Rußland-Feldzug zu Ende. Ich kam über Warschau in die Heimat. Für einige Wochen nach Haida b. Böhmisch-Lepa, dann nach Dresden-Weißer Hirsch zur Auskurierung. Winter 1943/44 bei Prof. Gasteiger in der Augenabteilung des Reservelazarett mitgearbeitet. Frühjahr 1944 nach Ulm zum Ersatztruppenteil versetzt mit der Aufgabe, in Singen am Hohentwiel für den Arzt Dr. Brügger an der Zeppelinschule die Augenabteilung zu übernehmen. Mai 45 Einmarsch der Franzosen in Singen.

Im Oktober 1945 kehrte ich nach Ebersbach zurück und nahm meine Praxis wieder auf. Nach dem Zusammenbruch des Krieges schwere Notjahre. Viel Sorge um das tägliche Brot. Am 6. Mai 1947 wurde uns unser jüngster Hans-Wilhelm geboren. Gottlob wieder ein gesundes Kind., ein Nachkömmling. Brigitte war inzwischen 14 Jahre alt geworden. 1949 hörte ich im Krankenhaus mit Operieren auf wegen beruflicher Überlastung und Auftreten von Schwindelzuständen. Seitdem beschränke ich mich allein auf Sprechstundentätigkeit und Untersuchungen im Krankenhaus und bin auch damit voll ausgelastet. Ich habe es noch nie bereut, Augenarzt geworden zu sein. Die Arbeit gibt mir ein hohes Maß von Befriedigung und beglückt mich, wenn ich meinen Mitmenschen helfen kann. 1949 wurde in unserem Hause Königswalder Str. 5 eine Poliklinik eingerichtet und wir zogen um nach der Georgswalder Str. 30 in das Hoferichtersche Haus, das ich nach einigen Jahren käuflich übernahm. Ich will damit abschließen. Karl-Friedrich und später Brigtte lösten sich vom Elternhaus. Irmela blieb als Sprechstundenhilfe daheim. Hans-Wilhelm ging nach Jena zum Studium von Deutsch und Geschichte.

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