{"id":80,"date":"2014-09-23T14:29:18","date_gmt":"2014-09-23T14:29:18","guid":{"rendered":"http:\/\/familie-ibing.de\/?page_id=80"},"modified":"2015-02-18T20:14:21","modified_gmt":"2015-02-18T20:14:21","slug":"der-name-reschop","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/familie-ibing.de\/?page_id=80","title":{"rendered":"Der Name Reschop"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Name des Hofes und Geschlechts zu Vossh\u00f6fen erscheint in mitteralterlichen Urkunden als Reytschapp, Reitschop, Reysschopp, Reschap, Reschop, Reschoff und Rescop. Au\u00dferhalb des Kirchspiels Wengern kommen vor: 1408 Hannes, Elsen son in dem Rescope, vollschuldig eigener Mann des Hofschulzen zu Hattingen, 1483 Peter Reisschap, B\u00fcrger zu Wetter, 1486 Jan Reytschap, Bauer zu Langendreer, 1506 Johan Reschopp, neuer B\u00fcrger zu Dortmund, 1513 Evert Reyschop genannt Koeke in Soest. Es gab also um 1486 mindestens zwei Hofst\u00e4tten, mit denen der Name Reitschap \u2013 Reschop verbunden war, und zwar in Vossh\u00f6fen und Langendreer. Vielleicht lag eine weitere in der Gegend von Hattingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der sprachlichen Erkl\u00e4rung des Namens braucht man nicht lange zu suchen. Es bietet sich gleich ein ganzes mittelniederdeutsches Wort, das genau dieselben Formen zeigt: rede-, reit- r\u00eat-, r\u00easchap oder \u2013schop. Dieses ist zusammengesetzt aus dem Adjektiv rede, reide, r\u00eat, reit und der Nachsilbe \u2013schap, -schop. Die letztere, hochdeutsch \u2013schaft, bezeichnet die Beschaffenheit, Art und Weise. Das genannte Adjektiv, mittelhochdeutsch reit, verst\u00e4rkt gereit, besagt von Personen, \u201ebereit, fertig, ger\u00fcstet, zur Hand\u201c, von Sachen \u201ezu Gebot, ohne weiteres verf\u00fcgbar\u201c, daher vom Gelde \u201ebar\u201c. Demgem\u00e4\u00df kann das Hauptwort, hochdeutsch Reitschaft, Gereitschaft, folgendes bedeuten: zum einen Bereitschaft, Bereitsein, zum anderen was bereit ist oder liegt, daher Barschaft, R\u00fcstzeug, Ger\u00e4t, auch Werkstoff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sinne des neuhochdeutschen Abstraktums Bereitschaft scheint das mittelniederdeutsche Wort weniger gebraucht worden zu sein. Nicht ganz klar ist seine Bedeutung in einer Wengeraner Aufzeichnung aus dem 15. Jahrhundert, worin es hei\u00dft: <em>Des so hebbe ik, Hannes Schotteler, vor my und myne erven und vor myne huisfrowen myt unser reitscop dissen cedulen den hoifftbreiff in Hannes Wydeis gewalt und macht gegeven und gelacht<\/em>. Sonst hat das Wort in Westfalen vor allem kollektivische Bedeutung. Es seien folgende Beispiele genannt: Dortmund 1428 \u201eder lude reetschop\u201c = Hausrat, 1540 \u201esein reeschop to seinen arstamt, Essen 15. Jahrhundert \u201ereschop an potten, ketelen, pannen\u201c, \u201eal reschop dye tho der koiken hoirt\u201c, M\u00fcnster 1478 \u201ereyschap van bussen, pylen, armborsten und krude\u201c. In einer m\u00fcnsterischen Urkunde von 1485 hei\u00dft es: \u201eAlle die clenode, rehschope, offen, koyen und allent, wat davon uppe dem hove und em tobehorig is\u201c. Der Plural entspricht hier dem neuhochdeutschen \u201eGer\u00e4tschaften\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses alte niederdeutsche Wort wird dem gleichlautenden Namen, der fr\u00fchestens um 1200 entstanden sein kann, zugrunde liegen. Er spottet allen anderen Erkl\u00e4rungsversuchen, wenn auch einzelne Formen jedes der beiden Bestandteile vielleicht mehrere Deutungen zulie\u00dfen. Wie konnte aber ein solches Wort zum Hof- und Familienname werden? Das manche Namen auf Kollektiva oder Abstrakta zur\u00fcckgehen, ist eine bekannte Sache. Als Beispiel seien zwei genannt, die mit Reitschap einen Teil gemein haben: Reitgeld und Kuntschap. Derartige Benennungen kn\u00fcpfen an eine pers\u00f6nliche Eigent\u00fcmlichkeit, ein besonderes Ereignis oder einen Zustand an. Was im einzelnen ihre Entstehung veranlasst hat, ist nat\u00fcrlich nicht festzustellen. Im vorliegenden Fall ist, da es sich um ein mehrdeutiges Wort handelt, auch nicht sicher zu erkennen, welchen Begriff es urspr\u00fcnglich ausgedr\u00fcckt hat. Man darf aber wohl sagen, dass vor allem folgende M\u00f6glichkeiten in Frage kommen. Erstens k\u00f6nnte Reitschap im Sinne von Barschaft einen pers\u00f6nlichen Beinamen gebildet haben, in derselben Weise wie Reitgeld (Bargeld). Zweitens k\u00f6nnte der Name davon herr\u00fchren, dass auf dem Hofe irgendeine besondere Reitschaft (z. B. Heerger\u00e4t) verwahrt wurde. Drittens k\u00f6nnte er sich darauf beziehen, dass der Besitzer des Hofes zu gewissen Diensten (etwa als Freifrone) stets bereit sein musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Name Reschop haftete am Hofe und wurde mit ihm \u00fcbertragen. Er wurde daher bald nur noch als Hofname empfunden und demgem\u00e4\u00df wie eine Ortsbezeichnung behandelt. Man nannte den Hof \u201eden Reschop\u201c und sagte \u201eam, vom, zum Reschop\u201c. Schon 1475 ist die Rede von einem St\u00fcck Landes \u201egelegen by dem Scharloe, hoerende to den Reysschopp\u201c. Es wurde also kein Unterschied gemacht zwischen dem Namen Scharloh, der an sich eine \u00d6rtlichkeit bezeichnet (Loh = Wald), und dem Namen Reschop. Noch heute hei\u00dft es \u201eam Scharloh\u201c und \u201eam Reschop\u201c. F\u00fcr die Herleitung des Namens Reschop ist das jedoch ohne Belang. Denn man verfuhr in derselben Weise mit reinen Personenbezeichnungen und sagte z. B. \u201eam Jakob\u201c, \u201eam Samel\u201c, \u201eam Schulten\u201c, \u201eaufm Vo\u00df\u201c. Typisch ist die Geschichte des Namens Samel. Ein mittelalterlicher Besitzer des Gutes Storkesnest in Oberwengern hie\u00df Samel (Samuel). Dieser Name blieb an der St\u00e4tte h\u00e4ngen, die nun Samelen Hove, Samelhof, Samelhaus, oder auch einfach Samel genannt wurde. Von der St\u00e4tte ging der Name wieder auf ihre jeweiligen Besitzer \u00fcber, und zwar sowohl der eigentliche Personenname Samel wie der Hofname Samelhaus. In \u00e4hnlicher Weise wird die Benennung Reschop zum Hof- und Familienname geworden sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Name des Hofes und Geschlechts zu Vossh\u00f6fen erscheint in mitteralterlichen Urkunden als Reytschapp, Reitschop, Reysschopp, Reschap, Reschop, Reschoff und Rescop. 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